Pädagogische Schwerpunkte / Konzeption

Die Pädagogik in MIRA orientiert sich an den Grundsätzen von Emmi Pikler. Diese beinhalten insbesondere die "freie Bewegungsentwicklung", die "achtsame Pflege" und das "selbstbestimmte freie Spiel".

Freie Bewegungsentwicklung bedeutet, dass das Kind sich in seinem eigenen Rhythmus entwickeln und möglichst keine Entwicklungsschritte vorweg genommen werden sollen. Im Krippenalltag heisst das, dass wir warten bis ein Kind sich von selber drehen , sich selbst aufsetzen, aufstehen, gehen u.s.w. kann. Die Kinder werden durch eine gestaltete Umgebung mit verschiedenen Materialien und Bewegungselementen angeregt und motiviert, jedoch werden die Bewegungsabläufe nicht absichtlich forciert.

Die achtsame Pflege sieht vor, dass das Kind immer, in möglichst grossem Umfang am Geschehen beteiligt wird. Es soll die Erfahrung machen, dass nicht etwas mit ihm geschieht, das es nicht beeinflussen kann, dass es nicht ohnmächtig ist, sondern Mitbestimmer über das Geschehen. Zugleich sollen dem Kind damit erforderliche Vorgänge vertraut gemacht und sukzsessive eigenverantwortlich übernommen werden. Konkret heisst das, dass dem Kind immer mitgeteilt wird, was mit ihm geschieht, sämtliche Handlungsschritte werden verbal begleitet. Soweit das Kind dazu in der Lage ist, wird es an den Handlungen beteiligt, z.B. Windel aufmachen; Po hochheben; Arme/Beine hineinschieben/ herausziehen; Hose selbst runter/hochziehen; u.s.w. So bald das Kind selbst es möchte, darf es die Toilette ausprobieren.

Besonders wichtig im Kontext der Pflege ist Bindung und Beziehung. Gerade diese sensible Situation ermöglicht den Pädagoginnen in intensivem Einzelkontakt mit dem Kind Bindung und Beziehung zu stärken. Bei der täglichen Pflege kann die Pädagogin durch Blickkontakt, Einzelgespräche, kleine Spiele, singen u.s.w. in direkte Interaktion mit dem Kind gehen und so die Beziehung zu ihm intensivieren.

Selbstbestimmtes freies Spiel bedeutet, dass das Kind nicht bespielt wird. Es wird angeregt, sich selbst mit den vorhandenen Spielsachen und Materialien zu beschäftigen. Dies geschieht vor allem durch den Aufforderungscharakter des Materials und der Raumgestaltung. Aufgabe der Pädagoginnen ist es nicht, dem Kind immer wieder etwas neues zu geben und es mit Material und Möglichkeiten zu überfrachten, sondern zu beobachten, was das Kind interessiert und entsprechend ausgewähltes Material zur Verfügung zu stellen. Je jünger die Kinder , desto überschaubarer muss die Umgebung und das Material sein (eine Decke, um darauf zu liegen, ein Tuch, ein Ball). Größere Kinder brauchen dann differenzierteres Material und vor allem auch Spielgefährten mit denen sie gemeinsam spielen und forschen können. Die Kinder regen sich dann gegenseitig an, sind einander Vorbild und gehen zunehmend auch Interaktion ein.

Das freie selbstbestimmte Handeln, die größtmögliche Beteiligung und Partizipation der Kinder soll aber auch im ganzen übrigen Krippenalltag sichtbar werden. Kinder helfen so weit wie möglich mit beim Aus- und Anziehen; beim Tisch decken; beim Aufräumen; Essen soweit wie möglich selbständig; nehmen sich Essen und Trinken selbst; entscheiden was sie wollen und was nicht; setzen sich selbst hin und stehen auf; waschen sich selbständig die Hände u.s.w.

Kinder werden in ihren Bedürfnissen ernst genommen und in Entscheidungen mit einbezogen. Die Pädagoginnen versuchen mit größtmöglicher Feinfühligkeit die Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen und zu berücksichtigen. Evtl. "Fehlverhalten" wird sorgfältig auf Ursachen hin beobachtet und diese ggf. geändert.

Ein weiterer Schwerpunkt in MIRA, ist die Umsetzung von Bildungsgerechtigkeit. Kindern aus armen und eher bildungsfernen Familien sollen Möglichkeiten geboten werden, die sie in ihren Familien nicht erhalten (können). Das Programm Kita-Förderung -Plus der Stadt Nürnberg ermöglicht uns, eine gewisse Chancengleicheit herzustellen, indem wir die betroffenen Familien (Voraussetzung ist, dass die Familie Transferleistungen erhält z.B. BuT -Gutscheine) dabei unterstützen, ein vielfältiges Freizeitangebot wahrnehmen zu können. Dazu erhalten die Familien Anregung und finanzielle Unterstützung für den Besuch von Museen, Tiergarten, Schwimmbäder, Theater usw. In der Einrichtung werden Familienausflüge und musikalische Früherziehung organisiert, außerdem gibt es ein erweitertes Beratungs -und Gesprächsangebot durch die Mitarbeiterinnen, bis hin zu Begleitung in Alltagssituationen. In der Einrichtung werden Bücher- und Spielekisten zusammen gestellt, aus denen die Familien Bücher und Spiele für zu Hause ausleihen können. Außerdem eine Kiste mit einem umfangreichen Fundus an Wechselkleidung. Für die Mitarbeiterinnen wird eine umfangreiche Fachbibliothek zusammen gestellt, sowie einschlägige Teamfortbildungen organisiert.