Pädagogische Ziele, Methoden und Aktivitäten

Soziales Lernen

Soziale Kompetenzen

Die Sozialerziehung spielt bei uns eine sehr große Rolle, da sie die Grundlage für alle weiteren Kompetenzen des Kindes ist. Sozialerziehung heißt, lernen aufeinander Rücksicht zu nehmen, sich für andere einzusetzen, sich in andere einfühlen zu können und andere anzunehmen, wie sie sind.

Wir möchten den Kindern ein Gefühl der Geborgenheit, Gemeinschaft und Harmonie vermitteln, damit sie auf dieser Grundlage lernen, aufeinander zu zugehen, Hilfsbereitschaft zu zeigen und Ehrlichkeit und Verständnis zu erfahren.

Diese Förderung findet sich in hunderten von kleinen, alltäglichen Situationen wieder. Hier einige Beispiele:

Die Kinder werden darin unterstützt und begleitet, ihre Konflikte immer mehr selbst zu lösen. Die Kinder lernen, sich angemessen auszudrücken, Gesprächsregeln zu verwenden, zuzuhören und bei Unklarheiten nachzufragen. Die Kinder planen ihre eigenen Projekte und müssen dazu mit anderen Kindern kooperieren.

Die sozialen Kompetenzen, die die Kinder hier durch das freie Spiel erwerben, legen die Basis für das gesamte weitere Lernen.

Persönliche Fähigkeiten

„Ich-Kompetenz“ stärken

Die „Ich-Kompetenz“ eines Kindes bedeutet, dass es erkennt, ein eigener Mensch mit Wünschen, Zielen, Bedürfnissen und Interessen zu sein.

Damit grenzt es sich von anderen ab, sowohl von engen Bezugspersonen wie den Eltern als auch von entfernteren Personen wie Lehrern, Freunden oder auch Fremden. Das kostet Kraft, erfordert Mut und persönlichen Einsatz. Doch diese Autonomieerfahrung müssen Kinder in vielen Lebensbereichen machen können. Damit ein Kind den Mut fasst, sich gegen andere zu behaupten, braucht es dabei Erfolgserlebnisse. Diese erfahren die Kinder durch Wertschätzung, Beteiligung, Freiräume und Verantwortungsübernahme.

In den folgenden Abschnitten erklären wir, wie sich diese praktisch in unserem Alltag finden lassen.

Wertschätzung

Dieser Begriff steht stellvertretend für ähnliche andere Begriffe wie Achtung, Anerkennung, Respekt, Akzeptanz, Bestätigung, Würdigung und Zuwendung. Wir treten jedem Kind unvoreingenommen gegenüber und akzeptieren es mit all seinen Stärken und Schwächen. Wir schätzen jedes Kind als eigenständiges Individuum, nicht als jemand, der von den Erzieher/innen, Lehrern und Eltern geformt wird. Auf diese Weise erfährt das Kind, dass es jemanden gibt, der ihm zuhört, ihn wahrnimmt, der versteht, wie es sich fühlt und der seine Grenzen akzeptiert. Ihm wird damit eine Art von Mögen und Gernhaben entgegengebracht, die keine Forderungen stellt.

Partizipation - Beteiligung und Mitbestimmung

Mindestens einmal im Jahr wird eine Umfrage unter den Kindern durchgeführt, ähnlich der jährlichen Elternbefragung. Ein Bestandteil der Umfrage ist auch die Beurteilung der einzelnen Mitarbeiter durch die Kinder. Die Ergebnisse werden im Eingangsbereich präsentiert und in den Planungstagen und Teamsitzungen für das neue Schuljahr bearbeitet.

Zusätzlich werden situationsabhängige Umfragen und Befragungen zu speziellen Themen durchgeführt (Beispiele: Regeln in der Legoecke, Gestaltungsvorschläge für das Treppenhaus, Essenswünsche zum Osterfrühstück, …).

Wesentlich wichtiger ist uns aber eine gelebte, innere Haltung aller Mitarbeiter, die Meinung der Kinder nicht nur zu respektieren, sondern diese auch einzufordern und sie ernst zu nehmen. Die Kinder finden stets einen Ansprechpartner, der ihnen zuhört und ihren Wünschen und Bedürfnissen, Ideen und Vorstellungen den größtmöglichen Entfaltungsspielraum gibt. Partizipation findet nicht durch besondere Aktionen, sondern in den Herzen und Köpfen aller Beteiligten statt.

Freiräume

Kinder im Grundschulalter brauchen unbedingt Zeiten und Orte, zu/an denen sie allein oder mit Freunden ohne ständige Aufsicht spielen können. Unkontrolliert und unbeobachtet zu sein und dies auch zu wissen, schärft das Verantwortungsgefühl der Kinder für das, was sie tun und zeigt ihnen, dass man ihnen vertraut.

Wir geben den Kindern auch den Freiraum, ihre freie Zeit so zu nutzen, wie sie es möchten. Jedes Kind entscheidet selbst für sich, wie lange es mit wem, wo, was spielen will.

Verantwortung

Autonomie kann nur entstehen, wenn Kinder selber Entscheidungen treffen dürfen und dann auch die Konsequenzen tragen. Schon früh sollten Kinder Verantwortung übernehmen - allerdings nur in dem Maße, wie sie sie auch bewältigen können.

So tragen die Kinder selbst einen wesentlichen Teil der Verantwortung für ihre Hausaufgaben (siehe Hausaufgabenleitfaden). Sie müssen selbst entscheiden, ob es sinnvoll ist, draußen eine Jacke anzuziehen. Sie schätzen selbst ein, ob sie Hunger haben und etwas essen möchten, oder nicht.

Wir begleiten die Kinder in allen diesen Entscheidungen und bringen ihnen Schritt für Schritt bei, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Soziale Fähigkeiten

siehe "soziales Lernen"

Alltagsfähigkeiten

Mit zunehmenden Alter und Dauer des Besuches der Einrichtung sollen die Kinder lernen, in möglichst vielen Bereichen eigenständig und unabhängig zu werden. Dazu gehört auch, dass sie eigene Erfahrungen machen. Selbst gemachte Erfahrungen sind unerlässlich auf dem Weg zur Selbstständigkeit.

Kinder anderer Altersgruppen

Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Kindergarten und die gemeinsame Nutzung des Außengeländes, haben unsere Hortkinder viel Kontaktmöglichkeiten zu jüngeren Kindern.

Mädchen und Jungen

Sexualpädagogisches Konzept

(Dieses sexualpädagogische Konzept wurde mit dem gesamten Team zusammen mit Wildwasser e.V. entwickelt.)

Kindliche Sexualität

Die Sexualität von Kindern unterscheidet sich in weiten Teilen vom Sexualleben Erwachsener und unterliegt einem ständigen Veränderungsprozess.

Bei Kindern gibt es keine Trennung zwischen Zärtlichkeit, Sinnlichkeit und Sexualität. Kinder lieben in diesem Sinne ganzheitlich. Ihre Sexualität ist keinesfalls mit der der Erwachsenen gleichzusetzen, sondern in einem viel umfassenderen Sinn zu verstehen. Kinder leben ihre Sexualität egozentrisch, d.h. auf sich selbst bezogen. Sie ist gekennzeichnet durch Unbefangenheit, Spontanität, Entdeckungslust und Neugierde.

Im Grundschulalter erleben Kinder bereits Gefühle von Verliebtheit für andere Kinder. Sie sind voller Bewunderung und suchen die Nähe und Zärtlichkeiten des geliebten Kindes. Diese Verliebtheit empfinden Mädchen für Mädchen, Jungen für Jungen und auch Mädchen und Jungen füreinander. Anders als bei Erwachsenen gipfeln die Zärtlichkeitsbedürfnisse jedoch nicht in Wünschen nach sexueller Vereinigung, sondern umfassen Verhaltensweisen wie inniges Ansehen, Berührungen, Kuscheln, an den Händen fassen und leichte Küsse.

Kinder wollen keine erwachsene Sexualität praktizieren, diese aber durchaus mit anderen Kindern zusammen imitieren, d.h. über Geschlechtsverkehr informierte Kinder spielen mitunter solche Situationen. Dazu veranlassen sie aber nicht Begehren und Lustgefühle, die denen Erwachsener vergleichbar sind, sondern spielerische Neugier, wie Geschlechtsverkehr wohl funktioniert. Es ist ein Ausprobieren von Erwachsenen-Rollen, das nicht von Authentizität geprägt ist.

Sexualität im Hort zeigt sich in vielen verschiedenen Facetten. Vorkommen können z.B.: Doktorspiele, Selbstbefriedigung, ausprobieren unterschiedlicher Kinderfreundschaften, Gefühle wie Scham, Liebe, Geborgenheit, konkrete Fragen zur Sexualität, Betrachten des eigenen und anderen Geschlechtes..... Diese sexuellen Erfahrungen sind wichtig und wertvoll. Sie tragen zu einer positiven Gesamtentwicklung des Kindes bei. Kinder, die ihren eigenen Körper gut kennen, gut informiert sind, schöne und schlechte Gefühle unterscheiden können und eine Sprache über sexuelle Inhalte gefunden haben, sind eher in der Lage Grenzverletzungen zu erkennen und sich Hilfe zu holen. Wir stehen diesem Thema offen gegenüber und gehen auf Impulse und Fragen der Kinder altersentsprechend ein.

Umsetzung in unserem Hort:

Die Kinder haben in unserem Hort das Recht und die Möglichkeit, sich mit ihrem Körper und ihrer Sexualität auseinanderzusetzen.

Um solchen Erfahrungen den richtigen Rahmen zu geben, gibt es dafür in unserem Hort feste Regeln:

• Wir achten darauf, dass das Schamgefühl eines Jeden respektiert wird.

• Jedes Mädchen/jeder Junge bestimmt selbst, mit wem sie/er spielen will.

• Ein „Nein“ muss respektiert werden.

• Mädchen und Jungen streicheln und untersuchen einander nur so viel, wie es für sie selbst und die anderen Kinder schön ist.

• Kein Mädchen/kein Junge tut einem anderen Kind weh!

• Niemand steckt einem anderen Kind etwas in den Po, in die Scheide, in die Nase, in den Mund oder ins Ohr.

• Größere Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben bei Doktorspielen nichts zu suchen.

• Hilfe holen ist kein Petzen!

Das Wissen um die eigene Körperlichkeit macht Kinder stark und versetzt sie in die Lage „nein“ zu sagen, wenn Grenzen überschritten werden. Sie lernen dabei ihre eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Grenzen kennen ebenso wie die der anderen.

Sexuelle Übergriffe unter Kindern

Kindliche Sexualität ist eine positive, ganzheitliche Lebenserfahrung. Beim Ausprobieren kann es auch zu Grenzverletzungen kommen. Grenzen können unabsichtlich verletzt und durch eine Entschuldigung korrigiert werden. Manchmal gibt es aber auch Situationen, in denen Mädchen und Jungen mit Drohungen, Erpressung oder Gewalt gezwungen werden. Hier spricht man von sexuellen Übergriffen unter Kindern. Ein sexueller Übergriff unter Kindern liegt dann vor, wenn sexuelle Handlungen durch das übergriffige Kind erzwungen werden bzw. das betroffene Kind sie unfreiwillig duldet oder sich unfreiwillig daran beteiligt. Häufig wird dabei ein Machtgefälle zwischen den beteiligten übergriffigen und betroffenen Kindern ausgenutzt, indem z.B. durch Versprechungen, Anerkennung, Drohung oder körperliche Gewalt Druck ausgeübt wird.

Wenn wir im Hort zu der Einschätzung gelangen, dass ein sexueller Übergriff vorliegt, ist es unsere pädagogische Verantwortung einzugreifen, dies ergibt sich verpflichtend aus dem gesetzlichen Kinderschutzauftrag. Das betroffene Kind steht zuerst einmal im Fokus und erhält die ungeteilte Aufmerksamkeit. Es soll das sichere Gefühl haben, dass ihm von den Erwachsenen beigestanden wird und dass es nicht „Schuld“ hat. Das Kind soll Raum für seine Gefühle bekommen und die Bestätigung, dass sie berechtigt sind. Dieser zugewandte Umgang kann dazu beitragen, dass das Kind bald über den Vorfall hinweg kommt.

Das übergriffige Kind wird im Anschluss daran mit seinem Verhalten konfrontiert. Das Kind erlebt dadurch, dass seine Macht ein Ende findet, sobald sich eine verantwortliche, erwachsene Person einschaltet und ihre positive Autorität zugunsten des betroffenen Kindes nutzt. Das Ziel des Umgangs mit dem übergriffigen Kind ist es, die Einsicht des Kindes in sein Fehlverhalten zu fördern. Das ist aus fachlicher Sicht der beste Schutz für das betroffene Kind und zugleich der einzige Weg für das übergriffige Kind, mit solchen Verhaltensweisen aus eigenem Antrieb aufzuhören. Mit den Eltern beider Kinder wird selbstverständlich zeitnah das Gespräch gesucht.

Interkulturelles Lernen

Wir fühlen uns "multikulti" und gestalten auch das Leben in unserem Hort so. Alle Kulturen sind bei uns willkommen und wir freuen uns immer auf neue Erfahrungen.

Ob wir uns mit den Ländern Europas beschäftigen, die Herkunft unserer Vornamen erforschen oder landestypische Spezialitäten der verschiedensten Länder genießen... wir freuen uns immer, dazuzulernen.

Werteorientierung und Religion

Unser Hort steht Kindern aller Religionszugehörigkeiten offen. Der christliche Glaube und ein Menschenbild, das jeden Menschen als Geschöpf Gottes sieht, ist das Fundament unserer Arbeit. Daraus folgt Achtsamkeit und Achtung der Individualität und die Sicht auf den ganzen Menschen sowie Liebe, Freiheit und Verantwortung als Leitideen für das Lernen und Leben in unserem Hort.

Sprache

Wir fördern und unterstützen das natürliche Interesse der Kinder an Sprache. Das Spielen mit Sprache ist bei uns erwünscht und wird unterstützt. Beispiele dafür sind: Witze und Reime, Gesellschaftsspiele wie Activity, Flüsterpost, Galgenmännchen, ...

Informations- und Kommunikationstechnik, Medien

Medienerziehung

Medienkompetenz ist heute unentbehrlich, um am politischen, kulturellen und sozialen Leben in der Informationsgesellschaft teilzuhaben und es souverän und aktiv mitzugestalten. Medienkompetenz bedeutet bewussten, aktiven, kreativen, kritisch-reflektierten, sachgerechten, selbstbestimmten und verantwortlichen Umgang mit Medien.

Das Spektrum der Medien ist weit. Es wird unterschieden zwischen Druckmedien (Bücher und Zeitschriften) und elektronischen Medien (Computer, Video, Fernsehen, Hörmedien, Fotoapparat).

In unserer Leseecke befindet sich eine große Auswahl an verschiedenen Büchern und Comics. Der Raum lädt durch seine Atmosphäre zum Verweilen und Schmökern ein. Die elektronischen Medien sind Teil unserer Lebenswelt.

So bieten wir den Kindern den, durch das Personal begleiteten, Zugang zum Internet. Die Kinder haben außerdem die Möglichkeit max. eine halbe Stunde am Tag am Computer mit kindgerechter Software zu spielen. Dabei legen die Eltern für ihr eigenes Kind fest, wie oft es in der Woche Computer spielen darf.

Zusätzlich zu diesen ständigen Angeboten finden verschiedene medienpädagogische Projekte statt (z.B. einen Film drehen, Experimentieren mit der Digitalkamera, ...).

Als auditive Medien stehen den Kindern mehrere CD-Player mit Kassettendeck und Radio zur Verfügung.

Ästhetik, Kunst und Kultur

Kreativität fördern

Wir wollen den Kindern in unserem Hort ein Umfeld bieten, das sie in ihrer Kreativität unterstützt. Wir greifen dabei die Ideen der Kinder auf, sorgen für das nötige Material und begleiten die Kinder in ihrem Tun.

Viele unserer Spielmaterialien regen die Kinder zum kreativen Umgang an. Ein wichtiges Element ist uns dabei die Bewegungsbaustelle im Garten, in der die Kinder mit Brettern und Kisten täglich neue Spiellandschaften bauen.

Beim bildnerischen Gestalten legen wir viel Wert darauf, dass die Kinder verschiedene Techniken und Materialien (Speckstein, Werkbank, Nass- und Trockenfilzen, Kerzenziehen, Töpfern, …) kennenlernen, dann aber nach ihren eigenen Vorstellungen damit umgehen, experimentieren und schaffen können.

Bewegung, Rhythmik, Tanz und Sport

Bewegungserziehung

Den Kindern durch ein reichhaltiges Angebot an Bewegungsoptionen die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu spüren und Freude daran zu empfinden, ist uns ein großes Anliegen.

Es ist für Kinder wichtig, sich selbst und ihren Körper zu erfahren. Am besten gelingt dies durch freie, sich aus dem Spiel heraus entwickelnde Bewegung im Garten oder in den Innenräumen.

So wird z.B. im Garten durch die Materialien der Bewegungsbaustelle das Freispiel zum Bewegungsabenteuer und stärkt die Ich-Kompetenz.

Grundsätzlich gilt, dass Freude und Spaß an Bewegung zu den natürlichen Bedürfnissen eines Kindes gehören. Wir geben diesen Bedürfnissen altersgemäß Raum. Die Kinder können z.B. mit verschiedenen Fahrzeugen, Roller, Waveboard, … den angrenzenden Bereich des Stadtparks nutzen.