Pädagogische Schwerpunkte / Konzeption

Der Kindergarten begreift sich grundsätzlich als familienergänzende Einrichtung. Das heißt zum einen, dass der Kindergarten keine familienersetzende Einrichtung ist. Der Kindergarten kann nicht vom ersten Frühstück bis zur Brotzeit am Nachmittag allein die Ernährung der Kinder gewährleisten. Der Kindergarten kann nicht durch die Erzieherinnen die einzigen Ansprechpartner für die Fragen und Bedürfnisse der Kinder stellen. Er ist nicht für unzureichende Kleidung verantwortlich. Er kann nicht in einzelnen Bereichen die alleinige Initiative ergreifen: Spracherziehung, Verkehrserziehung, Erziehung zu Sauberkeit, wie etwa das Zähneputzen nach dem Essen, Erziehung zur Ordnung beim Aufräumen ... übernehmen, wenn die Kinder von zu Hause in diesen Bereichen nicht ebenso unterstützt werden. Zum anderen heißt familienergänzend, dass der familiäre und erzieherische Hintergrund der Kinder natürlich in den Kindergartenalltag hineinragt und deshalb nicht ignoriert werden kann. Auch wenn Kinder nur einen halben Tag im Kindergarten verbringen, nur zur Vormittags- oder Nachmittagsgruppe gehören, kann der Kindergarten nicht unabhängig von den Ansichten und Praktiken der Elternschaft sein institutionelles Reglement durchsetzen. Das geht zumindest dann nicht mehr, wenn sich Erziehungsstile und -ziele im Kindergarten und zu Hause zu widersprechen beginnen. Es ist wenig sinnvoll und es bleibt ohne Auswirkungen, Kinder im Kindergarten zu sozialem Verhalten und Konfliktfähigkeit anzuhalten, wenn zu Hause das Konkurrenzdenken geschürt wird. Man kann einen Jungen nicht an der Hausarbeit beteiligen, wenn ihm das Spaß macht, ihn mit dem Bügeleisen, Wäscheklammern, Kochlöffel und Teigschüssel hantieren lassen, wenn er im Kindergarten aus der Puppen- und Küchenecke verscheucht wird. Dass es verschiedene Erziehungsstile und verschiedene Vorstellungen vom Umgang mit Kindern gibt, das ist eine Selbstverständlichkeit. Soziales Verhalten heißt nicht zuletzt, sich in verschiedenen Situationen zurechtzufinden, mit verschiedenen Menschen umgehen zu können und sich anzupassen. Gleichwohl müssen in einer familienergänzenden Einrichtung die Vorstellungen der existentiellen Fürsorgeverpflichtungen (wie Ernährung, Bewegung, Anregung, Motivation) aufeinander abgestimmt werden . Grundlegend für die Erziehungsarbeit ist, dass sie sich in einem Spannungsfeld verschiedener Pole abspielt: Genauso wichtig wie die eigene, individuelle Freiheit zu üben, ist es für die Kinder zu lernen, Gruppenregeln einzuhalten; die Kinder sollen größtmögliche individuelle Freiheiten erhalten in Bereichen, die ihnen ganz alleine gehören: Das Spiel oder auch künstlerische Arbeit müssen Bereiche sein, in denen die Kinder ganz allein über sich, über ihren Pinselstrich, Farbgebung, Bausteinarchitektur etc. bestimmen dürfen. Es ist zum Beispiel fraglich, ob in Sachen "Malen" das Ausmalen von vorgestanzten Figuren (Motorrädern und Puppen) die angemessene Form ist, um künstlerische Kreativität zu befördern. Tatsächlich entwickeln die Kinder in dieser Ausmalübung viel mehr den Ehrgeiz, nicht über den Rand hinauszumalen (damit es "keine Kritzi-Kratzi" wird), als eigene Formen, Figuren und Kompositionen zu erfinden. Jede individuelle Freiheit hat ihre Grenzen. Die Kinder sind eingebunden in Gruppenregeln, die konsequent von allen befolgt werden müssen. Es kann verlangt werden, dass alle Kinder am Stuhlkreis teilnehmen, dass jedes Kind seinen Frühstücksteller aufräumt, dass alle Kinder am Ende des Tages die Spielsachen zusammenräumen etc. ... Individuelle Freiheiten und das Eingebundensein in Gruppenregeln sollten in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

Ein weiteres Spannungsfeld lässt sich mit dem Begriffspaar intellektuelle und körperliche Fähigkeit beschreiben. Die Kinder sollen die Möglichkeit haben, beide Bereiche gleichermaßen zu entwickeln.